Spielart Franz Bendas:

Aus den zeitgenössischen Quellen

Der Ton, den er in der Ausführung auf der Violine herausbringt, ist einer der schönsten, vollesten, reinesten und angenehmsten, die man jemals auf diesem Instrumente gehöret haben kann. Herr Benda besitzet zwar alle nur ersinnliche Stärke in der Geschwindigkeit, Höhe, und allen nur möglichen Schwierigkeiten des Instruments, und weis zu rechter Zeit, sehr vernünftigen Gebrauch davon zu machen.  Aber das edle Sangbare, (das Edle sage ich, um es von dem matten, niedrigen und einfältigen Sangbaren wohl zu unterscheiden) das edle Sangbare [sic!] ist das, wozu ihm seine natürliche Neigung vornehmlich, und mit dem besten Erfolge zieht.

Johann Adam Hiller (1728-1804), „Lebenslauf des Herrn Franz Benda, königlichen Preußischen Kammermusikus“, in: Ders, Wöchentliche Nachrichten und Anmerkungen, die Musik betreffend 23-26 (1766), S.175-178, 187-190,191-194 und 199-202, hier S. 199-200.

His [Benda’s] style is so truly cantabile, that scarce a passage can be found in his compositions, which it is not in the power of human voice to sing; and he is so very affecting a player, so truly pathetic in an Adagio, that several able professors have assured me he has frequently drawn tears from them in performing one… His style is not that of Tartini, Somis, Veracini, nor that of the head of any one school or musical sect, of which I have the least knowledge: it is his own, and formed from that model which should be ever studied by all instrumental performers, good singing.

Charles Burney (1728-1824), The Present State of Music in Germany, the Netherlands, and United Provinces, London 1772, S. 128 und 140.

Er bildete sich, wie alle große Genies, selber. Den Ton, den er aus seiner Geige zog, war der Nachhall einer Silberglocke. Seine Harpeggi sind neu, stark, voll Kraft; die Applicaturen tief studiert, und sein Vortrag ganz der Natur der Geige angemessen. Er spielte zwar nicht so geflügelt, wie es jetzt unsre raschen Zeitgenossen verlangen; aber desto saftiger, tiefer, einschneidender. Im Adagio hat er beinahe das Maximum erreicht: er schöpfte aus dem Herzen --- und drang in die Herzen, und man hat mehr als einmal Leute weinen sehen, wenn Benda ein Adagio spielte … Keiner unter den berlinischen Kammermusikern wußte die Gründlichkeit so mit der Grazie zu verbinden, wie Er; daher dauert sein Beifall noch immer fort. Als Lolli in Berlin war, spielte ihm Benda ein Adagio, obgleich seine Hände schon sehr steif waren, so unaussprechlich sangbar, daß Lolli mit Entzücken zerfloß und ausrief: »O könnt‘ ich so ein Adagio spielen! aber ich muß zu viel Harlekin seyn, um meinen Zeitgenossen zu gefallen.«

Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791), Ideen zu einer Ästhetik der Tonkunst, Wien 1806, S. 95-96.

Es ist wahr, die ächte Bendaische Spielart hat ganz etwas eigenes. Ihr Hauptcharakter ist: Adel, Annehmlichkeit, und äusserst rührend. Jenes eigene bestehet nun aber in der Führung des Bogens, welcher nicht nur recht lang und langsam auf und nieder geht, wie es die mehresten thun, die da glauben, im Bendaischen Geschmack ihr Adagio zu spielen. Der besondere Nachdruck, mit dem zuweilen eine Note herausgehoben wird; das stets vor Augen habende Verhältniß der Stärke und Schwäche nach der Höhe und Tiefe der Noten, in Vergleichung des Schattens und Lichts in der Mahlerey; die mäßigen, und mit edler Wahl gewählten Verzierungen, die nie die Kehle des Sängers übersteige. 

Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), Briefe eines aufmerksamen Reisenden die Musik betreffend, erster Teil, Frankfurt und Leipzig 1774, S. 170-171.

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