Forschungsgeschichte und -Stand über Franz Benda

*Der vorliegende Text ist von der vom Verfasser vorgelegten und bei der Universität Regensburg eingerichteten unveröffentlichten Masterarbeit "Die Urquellen Franz Bendas (1709-1786): Eine quellenkundliche Grundlage zur Benda-Forschung" zitiert (S. 6-8). Teilweise wurde der Text korrigiert bzw. redigiert.  

Bis 1945 gab es kaum Untersuchungen zu Bendas Leben und Werken, bis auf die beiden Dissertationen von Laserstein und Berten.[1] In der 1930 erschienenen Arbeit beschäftigte Nissel-Nemenoff sich mit Benda, vor allem mit seiner Spielart bzw. -technik.[2] Als erste wichtige Arbeit in der Forschungsgeschichte über Benda kann man die von Franz Lorenz 1967 verfasste Monographie mit dem Titel Franz Benda und seine Nachkommen zählen.[3] Sie wurde als erster Band von der Serie Die Musikfamilie Benda erschienen. Der zweite Band behandelt Georg Anton Benda (1722-1795), der zur Entstehung des deutschen Melodramas wichtiges beitrug. Die Arbeit schließt mit dem thematischen mehrbändigen Katalog der Kompositionen der Familie Benda, der aufgrund der Seltenheit der Ausgabe nicht leicht verfügbar ist.  

 

Die Forschung von Lorenz bemüht sich, die Biographie Franz Bendas chronologisch darzustellen. Sie stellt auch einige Briefe bzw. Quellen vor, deren Autorschaft auf Franz Benda zurückgehen. Zu jeder Kompositionsgattung gibt es eine allgemeine Beschreibung, aber einzelne Kompositionen werden nicht tiefer untersucht. Murphy analysiert in ihrer 1968 erschienenen Dissertation die Konzerte Bendas aus der musikpädagogischen Sicht.[4] Die Quellenlage der einzelnen Kompositionen wird in den Forschungen von Murphy aber auch von Lorenz noch nicht untersucht; sie wird erst in der 1984 erschienenen Arbeit von Douglas A. Lee tief erforscht.[5]

 

Diese Arbeit, die als thematischer Katalog der Kompositionen Franz Bendas erschienen wurde, stellt den Quellenzustand einzelner Werke dar. Bei einigen Kompositionen gelten die von Lee berichteten Quellenzustände nicht mehr als aktuell, da es nach dem Erscheinen des Katalogs einige Quellen gibt, die neu- bzw. wiederentdeckt worden sind. Im Katalog werden die gelisteten Kompositionen gemäß der Authentizität in drei Gruppen aufgegliedert; die Kompositionen, die 1) mit der Echtheit zu Benda zugeschrieben werden können, 2) fraglich sind, ob deren Autorschaft sicher zu Benda zurückgehen, und 3) als Werke Bendas überliefert sind, aber deren Autorschaft falsch sein sollen. Die Kompositionen sind nach der Gattung geordnet, und werden innerhalb der Authentizitätsgruppe im Lauf der Tonart gelistet. Als Bezeichnung einer Gattung werden römische Zeichen verwendet: I: Sinfonien, II: Konzerte, III: Solo Sonaten, IV: Trio Sonaten, V: Duette, VI: Capriccios, VII: Sonstige Werke. Um zu zeigen, dass das Werkverzeichnis von Lee herausgegeben worden ist, steht ein L vor der Verzeichnisnummer: Zum Beispiel L:II-4, L:VI-14 usw. Im Katalog werden drei namentlich bekannten und 20 anonymen Kopisten ermittelt. Darüber hinaus werden 153 Wasserzeichen mit den Zeichnungen auch belegt.

 

Auch in anderen Arbeiten beschäftigte sich Lee noch mit Benda: Er übersetzte 1998 die Autobiographie Bendas ins Englisch mit den zahlreichenden Nebeninformationen. Er edierte sechs Violinsonaten und ließ sie 1981 publizieren.[6] Diesbezüglich schrieb er 1976 den Aufsatz, der über die 33 Violinsonaten mit den kolorierten Stimmen zu allen Sätzen überlieferten Abschriften diskutiert.[7] Ein ähnliches Thema behandelt Sonja Gerlach 1980.[8] Auch sie ließ sechs Violinsonaten Bendas 1991 auch publizieren.[9] In den zwei vergangenen Jahrzehnten wurden leider keine bedeutenden wissenschaftlichen Ergebnisse zu Franz Benda veröffentlicht, obwohl die Forschung zu der über Berliner bzw. der norddeutschen Musik in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgrund der Wiederentdeckung der Musikaliensammlung der Singakademie zu Berlin große Fortschritte nachweisen kann.[10]     

 

Dank des von Lee herausgegebenen Katalogs ist gesichert, welche Quellen in welchen Institutionen aufbewahrt sind. Was Lee jedoch nicht darlegt, ist der Entstehungs- und Überlieferungsprozess der Abschriften von Bendas Kompositionen, aus dem sich die zeitgenössische Verbreitung und die Rezeption der Kompositionen Bendas in Europa ableiten lassen. Die bisherigen Quellenforschungen zu den Abschriften der Kompositionen Bendas zeigen auch nicht, inwiefern die einzelnen Abschriften tatsächlich auf Benda selbst zurückgehen. Demzufolge können folgende Aufgaben in den kommenden wissenschaftlichen Untersuchungen über Franz Benda bedeutsam angesehen werden:

 

  • Die Ermittlung der abschriftlichen Überlieferungswege seiner Kompositionen

  • Die Entstehungsanlässe der in den österreichischen Klöstern aufbewahrten Benda- Abschriften  

  • Bedeutung und Einfluss seiner Kompositionen auf die zeitgenössische Violinmusik

  • Genaue Eigenschaft seiner Spiel- und Kompositionsart, die zeitgenössisch besonders und eigenes betrachtet wurde  

 

[1] Alfred  Laserstein, Franz Benda. Sein Leben und seine Werke, Breslau 1924; Franzi  Berten, Franz Benda. Sein Leben und seine Kompositionen, Essen (Köln) 1928

[2] Elfriede  Nissel-Nemenoff, Die Violintechnik Franz Bendas und seiner Schule, Kassel 1930

[3] Franz Lorenz, Franz Benda und seine Nachkommen (= Die Musikfamilie Benda, Band 1), Berlin 1967.

[4] Therese Cecile Murphy, The Violin Concertos of Franz Benda and Their Use in Violin Pedagogy, California 1968.

[5] Lee, A Thematic Catalogue.

[6] Douglas A. Lee, A Musician at Court: An Autobiography of Franz Benda (= Detroit Monographs in Musicology/Studies in Music, No. 23), Illinois 1998; Franz Benda, Six sonatas for solo violin and continuo: with embellished versions (= Recent Researches in the Music of the Classic Era, Vol. XIII), hrsg. von Douglas A. Lee, Madison 1981.

[7] Douglas A. Lee, “Some Embellished Versions of Sonatas by Franz Benda”, in: The Musical Quarterly 62 (1976), S. 58-71.

[8] Sonja Gerlach, „Gedanken zu den ›veränderten‹ Violinstimmen der Solosonaten von Franz Benda in der Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz, Berlin“, in: Musik – Edition – Interpretation. Gedenkschrift Günter Henle, hrsg. von Martin  Bente, München 1980, S. 199-212.

[9] Franz Benda, Sechs Sonaten: Violine und Basso continuo, hrsg. von Sonja Gerlach, München u. a. 1991.

[10] Man kann zum Beispiel folgende Forschungen als Beleg dafür nennen; Tobias Schwinger, Die Musikaliensammlung Thulemeier und die Berliner Musiküberlieferung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Beeskow 2006; Christoph Henzel, Berliner Klassik: Studien zur Graunüberlieferung im 18. Jahrhundert, Beeskow 2009; Alex Fischer und Matthias Kornemann (Hrsg.), Das Archiv der Sing-Akademie zu Berlin: Katalog, Berlin u.a. 2010; Reinhard Oestreich, Verzeichnis der Werke Christoph Schaffraths (CSWV), Beeskow 2012; Wolfgang Eckhardt u. a. (Hrsg.), Wasserzeichen – Schreier – Provenienzen: Neue Methoden der Erforschung und Erschließung von Kulturgut im digitalen Zeitalter (= Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, Sonderband 188), Frankfurt am Main 2016.

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